Kolikvorsorge beim Pferd: So schützt du dein Tier vor dem „Bauchweh-Albtraum“
Jeder Reiter kennt diesen Moment des Schreckens: Das Pferd flehmt auffällig, scharrt mit den Hufen oder blickt sich unruhig zum Bauch um. Kolik ist kein spezifisches Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für Schmerzsymptome im Bauchraum – und leider nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen bei Pferden.
Die gute Nachricht? Viele Koliken sind hausgemacht und lassen sich durch ein kluges Management verhindern. Wir zeigen Ihnen, wie Sie den empfindlichen Pferdemagen wissenschaftlich fundiert schützen.
1. Das Gold der Stallgasse: Raufutter ist alles
Pferde sind Dauerfresser. Ihr Verdauungstrakt ist darauf ausgelegt, über den Tag verteilt kleine Mengen faserreicher Nahrung zu verarbeiten.
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Die Wissenschaft: Eine Studie von Ellis (2010) betont, dass lange Fresspausen (über 4–6 Stunden) das Risiko für Magengeschwüre und Verstopfungskoliken massiv erhöhen. Die Magensäure wird beim Pferd kontinuierlich produziert; ohne den Puffer durch Speichel (der nur beim Kauen entsteht) greift sie die Schleimhäute an.
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Unser Tipp: Setzen Sie auf „Heu satt“ oder engmaschige Heunetze. Die Faustregel von mindestens 1,5 bis 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht sollte das absolute Minimum sein.
2. Wasser: Die unterschätzte Gefahr im Winter
Verstopfungskoliken treten besonders häufig auf, wenn die Temperaturen sinken. Warum? Weil Pferde bei Frost weniger trinken.
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Die Wissenschaft: Untersuchungen zur Wasseraufnahme (Cymbaluk, 1990) zeigen, dass Pferde bei eiskaltem Wasser die Aufnahme drosseln. Ein Pferd (600 kg) benötigt jedoch auch im Winter ca. 30 bis 50 Liter täglich, um den Futterbrei im meterlangen Darm geschmeidig zu halten.
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Unser Tipp: Wenn möglich, bieten Sie lauwarmes Wasser an oder nutzen Sie beheizbare Tränken. Ein „Schluck“ Apfelsaft im Eimer wirkt manchmal Wunder als Motivator für trinkfaule Vierbeiner.
3. Bewegung ist die beste Darmmassage
Ein Pferd, das 23 Stunden in der Box steht, neigt zu einer trägen Verdauung. Der Darm braucht die Erschütterung durch Bewegung, um den Inhalt vorwärts zu schieben.
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Die Wissenschaft: Laut Hillyer et al. (2002) korreliert mangelnde Bewegung auf der Koppel direkt mit einem erhöhten Risiko für Gaskoliken und Darmverlagerungen. Der Darm des Pferdes ist nur an wenigen Stellen fest mit der Bauchwand verbunden und gerät bei Bewegung „in Schwung“.
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Unser Tipp: Auch an Tagen, an denen nicht geritten wird, ist freie Bewegung auf dem Paddock oder der Weide Pflicht. „Wer rastet, der rostet“ gilt beim Pferdedarm ganz besonders.
4. Vorsicht beim Futterwechsel (Anweiden)
Die mikrobielle Flora im Pferdedarm ist so sensibel wie ein Orchester – ein falscher Ton (oder ein zu schneller Futterwechsel) bringt alles zum Erliegen.
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Die Wissenschaft: Abrupte Änderungen der Diät, insbesondere der Übergang von Heu zu frischem Gras im Frühjahr, führen zu massiven Verschiebungen der Darmflora. Dies begünstigt Fehlgärungen und schmerzhafte Aufgasungen (Durham, 2013).
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Unser Tipp: Nehmen Sie sich Zeit. Das Anweiden sollte über mindestens zwei bis drei Wochen gesteigert werden, beginnend bei 10–15 Minuten täglich.
Fazit: Vorbeugen ist besser als Bangen
Ein 100 %iger Schutz gegen Koliken existiert leider nicht, aber durch artgerechte Fütterung, stetige Bewegung und sauberes Wasser minimieren Sie das Risiko auf ein Minimum.
Da eine Kolik-OP inklusive Klinikaufenthalt heute schnell 5.000 bis 8.000 Euro kosten kann, ist eine Pferde-OP-Versicherung oder eine Krankenvollversicherung kein Luxus, sondern eine verantwortungsbewusste Entscheidung. Damit Sie im Ernstfall nicht zwischen Ihrem Ersparten und dem Leben Ihres Pferdes wählen müssen.
Quellen:
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Ellis, A. D. (2010): Biological basis of specialist feeding hygiene for herbivores. Proceedings of the 5th European Equine Health & Nutrition Congress.
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Cymbaluk, N. F. (1990): Cold housing effects on growth and nutrient utilization of weanling horses. Journal of Animal Science.
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Hillyer, M. H., et al. (2002): Case-control study of environmental risk factors for epiploic foramen entrainment in the horse. Veterinary Record.
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Durham, A. E. (2013): The nutritional management of colic. Veterinary Clinics: Equine Practice.

